1. Oktober 2008

In Sheffield sind die Menschen sehr freundlich und hilfsbereit, außerdem auch gern mal zum Scherzen aufgelegt. Ihr großes Manko ist aber dabei ihr Dialekt, denn ein Ausländer versteht höchstens die Hälfte der hilfsbereiten Ratschläge oder der Scherze. Natürlich, denn sie sind ja freundlich, wiederholen sie auch gern noch einmal, was sie gesagt haben, jedoch verändern sie dabei nichts an Sprechtempo oder Aussprache, weswegen man nachher genauso schlau ist wie vorher. Aber keine Sorge, hier leben auch jede Menge Engländer, die nicht aus der Gegend stammen, und deswegen verständlicher sprechen.

Die Engländer, oder zumindest die Bewohner Sheffields, lieben Teppichboden. Ich vermute dadurch wollen sie die fehlende Gemütlichkeit, die sie selbst gern durch Zugluft und Klimaanlagen herstellen, irgendwie kompensieren. Das heißt, es gibt in sehr vielen Räumlichkeiten Teppichboden. Zum Beispiel in einem riesigen Hörsaal, der zugegebenermaßen auch als Kino benutzt wird, und in unserem kompletten Haus, mit Ausnahme der Klos und Bäder und einer Küche. Ja, einer Küche, wir haben nämlich zwei, und in einer davon liegt zu mehr als der Hälfte Teppichboden. Nun, er mag seine Vorteile haben. Es läuft sich leiser und wie gesagt, er könnte vielleicht Gemütlichkeit erzeugen. Aber wie schön kann ein Teppich aussehen, nachdem tausende von Menschen mit Straßenschuhen drüber gelaufen sind. Wenn man angewidert vom Teppich in seinem Zimmer ist, muss man nur genug nörgeln, und dann bekommt man einen neuen. Ich komm schon klar mit meinem.

Die Engländer, oder vermutlich die Briten im allgemeinen, sind resistent gegen jegliche Witterung. Alle ausländischen Studenten, egal ob aus Deutschland, Skandinavien oder Südamerika, fragen sich von Zeit zu Zeit, was anders an den Engländern ist. Sind sie nur abgehärtet? Vielleicht haben sie eine dickere Haut? Jedenfalls laufen sie bei 18°C rum, wie wir bei 25. Die Mädels im Rock, die Jungs in Shorts. Und wenn es anfängt zu regnen und es kühler ist, sich die Westeuropäer, gleichermaßen wie die Südeuropäer, wärmer einpacken, da holen sie ihre Ballerinas raus, obwohl diese bereits 1 bis 5 Löcher in der Sohle vorweisen.

Und wo ich gerade die Bekleidung erwähnte: Jungs, ihr hättet euren Spaß! Ihr kennt mich, ich trage gern mal ein etwas kürzeres Kleid oder einen etwas kürzeren Rock, aber mit den Mädels hier kann ich nicht mithalten. Die Röcke enden gern dort, wo nach dem Hintern das Bein anfängt. Egal, ob sie Strumpfhosen tragen oder nicht. Und wenn sie von Donnerstag bis Samstag dann Abends auf die Piste gehen, da steigt die Kälteunempfindlichkeit noch weiter (dann aber wohl auf Alkoholkonsum zurückzuführen), und sie holen zarte Sommerkleidchen als Abendgarderobe aus dem Schrank.

An dieser Stelle sollte ich auch erwähnen, dass eben beschriebenen Kleidung von jedem Mädchen getragen wird, egal ob es rein passt oder nicht.

Nun das war es erstmal, es wird sich zeigen, ob ich irgendwann noch mehr Eigenheiten von Land und Leuten erzählen kann.


7 Antworten zu „Land und Leute“


  1. 1 bart-olomä
    Oktober 2, 2008 um 10:36

    Also was die Behauptung mit den kurzen Kleidern der englischen Mädels betrifft, spreche ich bestimmt im Namen aller männlichen Blog-Leser, wenn ich an dieser Stelle mal ein paar Beweisfotos fordere…
    Ich kann`s mir einfach nicht vorstellen ;-)

  2. 2 bart-olomä
    Oktober 2, 2008 um 10:40

    Ich hätte noch mal (stell dir vor!) eine ernstgemeinte Frage/Anmerkung:
    Könntest du vlt einen Teil deiner Blogs in schönem Angelsächsisch verfassen? Da würde der nicht ganz so sprachbegabte Naturwissenschaftler auch noch was lernen können…

    Vielen Dank!
    Mit sozialistischem Gruß!

  3. 3 berlintante
    Oktober 2, 2008 um 6:08

    ich dachte eigentlich, dass die skndinavier auch etwas abgehärteter sind. zumindest von noras berichten. hab eine schöne zeit.

  4. 4 Ella Shzzzq
    Oktober 2, 2008 um 6:30

    An dieser Stelle ist es Zeit, deinen Schreibeifer zu loben, mit dem ich wirklich nicht gerechnet hatte. Grad kürzlich hielt ich ganz alte Briefe von dir in der Hand, charmante Fünfzeiler, deren letzter Satz meist in etwa lautete: Jetzt muss ich Schluss machen, denn mir fällt nichts mehr ein. Schreibhirsch rockt!

  5. 5 Betti
    Oktober 2, 2008 um 7:36

    Das Kleidungsphänomen ist mir noch aus Irland bestens bekannt, scheint also den Inselbewohnern allgemein eigen zu sein. Toll, dass du so viel schreibst! ;)

  6. 6 dorfkindinderweitenwelt
    Oktober 2, 2008 um 9:29

    An bart-olomä: das mit den Beweisfotos ist vielleicht etwas schwierig und könnte als Belästigung aufgefasst werden. Außerdem schreibe ich weiter auf Deutsch, da es ja auch Leser gibt, die sonst nichts verstehen.

    An Ella Shzzzq: Vielen Dank für das Lob, aber warte lieber erstmal ab, wie sich das so entwickelt. An besagte Briefe kann ich mich übrigens auch noch sehr gut erinnern.

    An alle: schön, das ihr so fleißig mitmacht!

  7. 7 schwabeseinerkleenihrgroßer
    Oktober 3, 2008 um 5:05

    Bitte auch Fotos von denen, die nicht in ihre Kleidung passen! :)


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