Es ist Sonntag, in Großbritannien gleich um 9 und das Wochenende neigt sich dem Ende zu. Es war wirklich toll, also lasst mich rekapitulieren. Achtung, es wird viel!
Donnerstag
Ich habe versucht The Scarlet Letter, auf deutsch Der Scharlachrote Buchstabe, von Nathaniel Hawthrone zu lesen, bin aber nicht ganz fertig geworden, wie ich es mir schon gedacht hatte. Abends konnte ich auch nicht weiter lesen, denn da hatten Stephanie und ich uns mit einem Freund aus der Orientierungswoche zum Essen verabredet. Gegessen haben wir dann in einem Pub. Es gab Hühnchen überbacken mit Käse und etwas Schinken war auch dabei, dazu Pommes und Erbsen, zum Runterspülen ne Limo und zum Nachspülen ein kleines Bier. Außerdem gab es lustige Gespräche mit viel lautem Lachen. Es war ganz angenehm, mal wieder etwas mit einem Angehörigen des männlichen Geschlechts zu unternehmen, was nicht so oft vorkommt, weil man ja nur mit Mädchen wohnt und deswegen sehr viele mehr davon kennt.
Freitag
Vormittags bin ich in die Uni gegangen, allerdings nur zwei von drei Stunden, naja, man muss ja auch das Schwänzen in einem anderen Land mal testen. Dann schnell nach Hause, nochmal was essen und fertig machen für den Konzertabend. Gegen 3 konnte ich dann endlich in den Bus springen, der mich zum Bahnhof fuhr, und nachdem ich auch endlich mein Ticket bekommen hatte, konnte ich viertel 5 in den Zug steigen. Natürlich hatte ich ein Ticket für die zweite Klasse, und so wurde man auch ein wenig behandelt. Einige Menschen wollten sich nicht fortbewegen, so dass der Zugang zu den Sitzplätzen versperrt blieb. Das Bahnpersonal raffte jedoch nicht, dass die Menschen am Ende einer langen Schlange am wenigsten tun können um die Menschen am Anfang in Bewegung zu setzen. Naja, bissl stehen war auch nicht so schlimm. Nach circa 50 Minuten bin ich in Derby angekommen und habe dann noch kurz auf meine Begleiterin, ursprünglich aus Zittau, gewartet. Dann haben wir gemeinsam den Veranstaltungsort gesucht, und nach leichten Schwierigkeiten auch gefunden. Dabei haben wir gelegentlich auch einen Blick auf die Stadt geworfen, die teilweise auch ganz gut aussah. Mit einem Snack haben wir dann auf eine Bank auf den Einlass gewartet, wobei uns 14-16 jährige Jungs aus vermutlich eher sozial schwächeren Familien etwas auf den Nerv vielen, aber naja. Irgendwann konnten wir endlich rein. Der Club bot eine ziemlich gewohnte Größe, allerdings wurde er in der Gestaltung seinem Namen The Royal gerecht. In den Gängen wiedermal Teppich, die Decke verziert mit aufwendigem und Großem Stuck und Kronleuchter an den Decken. Sehr stilvoll also. Während wir auf den Beginn des Konzertes warteten, genehmigten wir uns erstmal nen Drink und spekulierten über die zwei Vorbands die es geben sollte. Dann ging es los. Die erste betrat die Bühne, drei Jungs. Einer davon hatte eine leichte Rock’n'Roller Frisur, was mich schonmal auf gute Musik hoffen ließ. Bereits beim ersten Lied, dachte ich, ich müsste durchdrehen, denn es hätte wohl kaum eine Vorband geben können, die mehr meinen Geschmack traf. Der Sänger hatte die gewohnte Poppunkposition vor dem Mikro eingenommen, und der Bassist unterstützte ihn mit einem Babshoowabwab hier und einem Oohhhehoohh da sehr tatkräftig. Als sie dann noch Doin’ Fine von den Groovie Ghoulies und Quit Your Job von Chixdiggit coverten, hatte sich der Abend für mich bereits gelohnt und ich wollte unbedingt eine CD kaufen. Das musste ich dann aber nicht, denn es gab eine mit 4 Liedern kostenlos, da das Album noch nicht erschienen ist. Die Band heißt The Atoms und nach kurze Recherche stellte sich raus, dass sie auch auf dem Ghoulies Tribute Sampler vertreten sind. Manche kennen sie vielleicht, wer nicht, sollte hier klicken: http://profile.myspace.com/index.cfm?fuseaction=user.viewprofile&friendid=73895254
Hernach spielte eine weitere Vorband. Sechs Leute betraten die Bühne, davon zwei Frauen. Alle sahen total unterschiedlich aus. Ich vermutete Musik, die nicht so meinen Geschmack trifft, aber als der Sänger, ein Transvestit, anfing zu singen, war es gar nicht so schlecht. Nichts was ich kaufen wollte, aber es ließ sich gut anhören. Hießen Billy The Vision and the Dancers, wen es interessiert. Danach warteten wir also auf die Pipettes, wobei sich der Raum auch sehr gut füllte und wir circa vier Meter von der Bühne entfernt stehen mussten, aber war ok. Dann ging es endlich los, und trotz der zwei neuen Mitglieder war es auch sehr gut. Die Mädels waren stilvoll und passen zur Musik gekleidet und gaben zur Hälfte Hits von We Are The Pipettes wieder, und zur anderen Hälfte neue Sachen. Jetzt bin ich sehr gespannt auf das nächste Album, waren meiner Meinung nach ein paar Hits dabei. Man konnte teilweise eine Veränderung des Sounds erkennen, was sich jedoch nicht negativ bemerkbar machte. Ich hatte also einen sehr schönen Konzertabend. Kurz nach 11 war er vorbei und wir liefen zurück zum Bahnhof, wussten aber noch nicht genau wann der nächste Zug fahren sollte. Angekommen am Bahnhof stand an der großen Tafel leider gar kein Zug nach Sheffield, der tauchte dort aber zum Glück auf, während wir in einem anderen Plan nachschauten. Der andere Plan sagte den nächsten für halb 1 voraus, doch die Tafel leider das Selbe, was mir das Internet schon Tage zuvor gesagt hatte, nämlich viertel 2. Gut die anderthalbe Stunde auf dem Bahnhof war kühl, verging aber schneller als gedacht und halb 3 war ich endlich zu Hause. Da war ja dann eigentlich schon
Samstag
und ich schlief ganze zweieinhalb Stunden, bevor mein Wecker klingelte um mich nach Liverpool zu schicken. Ich war munterer als vermutet, vermutlich noch immer high wegen des schönen Konzerts. Gegen 10 sind wir in Liverpool angekommen und wurden von Regen begrüßt. Das Wetter blieb den ganzen Tag eher mäßig gut, aber zumindest hörte es irgendwann auf zu regnen und fing erst wieder zusammen mit einem Sturm an, als wir Liverpool wieder verließen. Aber beim verlassen sind wir ja noch gar nicht. Wir haben uns die Liverpool Cathedral angeschaut, sehr imposant und wunderschön gotisch. Wie ich in Erfahrung bringen konnte, eines der letzten Bauwerke der Neugotik, erbaut im 20. Jahrhundert. Außerdem besichtigten wir die Metropolitan Cathedral, auch im 20 Jahrhundert erbaut, nicht schlecht, aber nicht so mein Geschmack, sehr modern halt. Danach sind wir etwas durch das überfüllte Zentrum der Stadt gelaufen und, vorbei an vielen Geschäften, in denen sich sehr viel Menschen befanden und für die eigentlich sowieso keine Zeit war, denn wir wollten noch ins Beatles Museum. Dort sind wir auch hingegangen und es war sehr interessant. Man wurde durch die gesamte Geschichte der Beatles geführt, für jedes Jahr gab es einen Raum und im teuren Eintrittspreis von 8,50 Pfund waren ein Audiogerät und Kopfhörer inbegriffen. Man konnte selbst anwählen, was man hören wollte, aber leider konnte ich mir nicht alles anhören, da uns die Zeit schon etwas im Nacken saß. Liverpool war also sehr schön, aber ich hätte eigentlich noch mehr Zeit gebraucht um wirklich alles zu sehen. Halb 6 traten wir dann die Rückreise an, auf der mich dann doch langsam die Müdigkeit übermannte, und so wurde nach der Ankunft auch nicht mehr viel gemacht.
Sonntag
Erstmal hab ich ordentlich ausgeschlafen, was gut ging, denn ich hatte ja eine Stunde mehr und so wachte ich nicht allzu spät um 11 auf. Nachmittags haben Stephanie und ich den obligatorischen Wocheneinkauf gemacht und sind gegen fünf dann nochmal zusammen mit meiner Konzertbegleitung in die Stadt gegangen um der Fright Night beizuwohnen. Das ist ein großes Stadtfest, wohl das Größte Englands seiner Art, eigentlich eine große Kirmes, nur mit dem Thema Halloween. Viele Leute hatten sich verkleidet, es gab Fahrgeschäfte und natürlich Fressbuden. Eine davon schwenkte deutsche Fahnen, und so gönnten wir uns eine gute Roster, wenn sie hier auch nur unter Bratwurst bekannt ist. Die Roster war etwas abgewandelt, denn sie stak in einem Hotdog Brötchen und es gab noch gebratene Zwiebeln oben drauf (also Zwiebelringe aus der Pfanne, keine Röstzwiebeln) aber sehr lecker. Zum Nachtisch gönnte ich mir noch einen Crêpes gefüllt mit Apfelstückchen und Zimt, dazu noch etwas Puderzucker und Honig. Ebenfalls seeeehr lecker. Roster und Crêpes waren nicht der billigste, aber ein großer Spaß.
Nun ist es bereits fast um 11 und ich hoffe ihr habt beim lesen durchgehalten. Ich verspreche es gibt auch bald wieder mal paar Fotos, rückwirkend quasi.